Titel | ||||
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76 | Blatt und Fliege | |||
Vorschautext: Kleines braunes Blatt auf dem Gehsteig, filigranes Phänomen - in pergamenter Einsamkeit den Winter überdauert. Wundersam wie meine erste Fliege des Jahres: Kroch Anfang April im Hamburger Metrobus an einem weißen Damenstiefel empor. |
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75 | Stiftung – Eintritt frei | |||
Vorschautext: … war vor einiger Zeit im Willy-Brandt-Haus, hielt jene guten Bücher in der Hand, die er als Jugendlicher gelesen hat; schöne, alte Bücher, noch super erhalten, war ein feierliches Gefühl, darin zu blättern: August Bebel und Leo Tolstoi überwiegten. … hab' all seinen Reden gelauscht - seinen Antworten in Interviews – den legendären Kniefall noch einmal angeschaut – ein Politiker, der Gefühle, tiefe Erschütterung gezeigt hat, das sieht man selten oder nie, das war keine Show! ... |
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74 | Ringelnatzen | |||
Vorschautext: Es ist doch kinderleicht, sich nicht zu streiten und zu versöhnen: Hör doch einfach nicht hin, was der andere quakt. Musst du denn auch über jeden Unsinn stöhnen und alles verdammen, was dir nicht behagt? Sag deine Meinung und knall mit der Tür, aber richtig! Von Bullerballern lässt du dir nichts gefallen. Nimm dich wie die doch selber auch mal unheimlich wichtig: Krach ohne jeden Verstand muss ja schließlich widerhallen. |
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73 | Kleine Frosch-Story | |||
Vorschautext: Mittags, bei flirrender Hitze, saß ich am Priel im Grase; Wiesenschaumkraut kitzelte meine Nase. Rinder vertrieben im Liegen schillernde Fliegen, sabberten greis; ich hüpfte heimlich und leis’ ins kühlende Schilf und quakte dem ... |
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72 | Schlaf, mein Lieb', ein Schlaflied für Große und Kleine | |||
Vorschautext: Und wieder bereitet ein Abend das Bett für die dunkle Nacht. Was lärmte, schweigt still - und in die Ewigkeit will, der den letzten Seufzer vollbracht. Nun ruhen auch deine Hände und streicheln noch einmal das Kind: Schlaf, Schatz, der Tag ist zu Ende, und draußen, mein Lieb', klagt der Wind. Am Himmel glühn tausend Sterne, ... |
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71 | Variationen im Regen (Hamburg 2011) | |||
Vorschautext: Die unsichtbaren Farben des Hafens im Morgennebel, mein grauer Schatten, der durch die schlafende Stadt wandert. Der stumme Schrei des Laubs unter meinen Füßen, die Klagen der nackten Bäume im Regen. Das Schnarchen des Chlochards unter der Kennedy-Brücke: er: noch trunken vom Wein, ich: trunken noch von deinen mitternächtlichen Küssen. Und endlich: Sonne über der Alster - die sanfte Röte eines Apfels. |
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70 | Die Nacht | |||
Vorschautext: Die Nacht schlägt mein Fenster ein und stellt ihren Fuß ins Zimmer. Ich sage: "Bleib', gütige Nacht mit deinem finsteren Fuß, aber repariere mir bitte umgehend das Glas, zum einen wird mir sonst kalt und nass, weil es immer noch regnet, und zum anderen bleib ich gewiss wieder bis nach Mitternacht wach - und das stört - man glaubt es kaum, die schlechten Geister, das Böse - ... |
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69 | Liebeskummer | |||
Vorschautext: Liebeskummer Der Wind weiß heute Abend nicht, wohin er will, auch du streifst ziellos durch die dunkelblaue Nacht; die letzte Kneipe hat inzwischen dichtgemacht und hinter allen Fenstern steht das Leben still. Sie hat soeben mit dir Schluss gemacht, gelacht, im Treppenhaus, als du gegangen warst - verwirrt bist du in engen finstren Gassen rumgeirrt und hast an euren letzten heißen Kuss gedacht ... |
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68 | Hürden | |||
Vorschautext: Und manchmal möcht' ich wieder Kind sein: mich in der Heimat auf dem Marktplatz drehn, von dort durch alle meine bunten Straßen gehn, darin ich einmal nach dem Tanze lief um Mitternacht ganz unbehelligt - finster war 's und still - am Himmel glühte einsam nur ein Single-Stern ... Und du warst mir so nah und doch - unendlich fern. Mein Nichtchen schlief fest, ich war zu Besuch, nicht weit entfernt von Elternhaus und Deich und sollte diesen Rest der Nacht in Nichtchens Näh' verbringen. ... |
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67 | Flüchtling | |||
Vorschautext: Schüsse und Schreie – ganz in der Näh', und im Westen leuchtet ein Fenster; vor dir schreckt was auf: der Feind? Ein Reh? und manchmal siehst du schon Gespenster. Stimmen – du verstehst kein einziges Wort, durch deine Träume marschieren Armeen. Krieg trieb dich aus deiner Heimat fort - Krieg – darüber Jahre vergehn. Ein Dach übern Kopf, für die Kinder Brot, ist alles, was du noch verlangst; ... |
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66 | Macht nix, lieber Mann ... | |||
Vorschautext: Fredemar, der Riese, Simonettas Mann, baut an einem Drachen; seine Kinder lachen, weil er das nicht kann. Simonetta tröstet ihn: Macht nix, lieber Mann! Fredemar ruft Albin, seinen treuen Hund, trabt mit ihm zum Hafen, wo die Schiffe schlafen: fällt ins Wasser bald. Huh, wie ward ihm kalt und klamm! Simonetta tröstet ihn: Macht nix, lieber Mann! ... |
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65 | Frühlingslied – für Kinder (in knapp einem Monat ist Frühlingsanfang) | |||
Vorschautext: Frühlingslied – für Kinder (in knapp einem Monat ist Frühlingsanfang) Wiese blüht im Mai, schöne grüne Wiese - Schmetterling' sind auch dabei, Distel, Mohn und Akelei: eia, bunte Wiese! Wiese lädt dich ein, drauf' umherzutollen: Igel, Frosch und Kälberlein ... |
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64 | Vorfrühling | |||
Vorschautext: In ein paar Tagen wird der Himmel wieder strahlen: Wir steuern ohne Umwege auf Monat März. Die Sonne wird auf Häuserwänden goldne Kringel malen und wie aus einem dumpfen Schlaf erwacht dein Herz. Die Wälder werden wieder grün, die Wiesen erwachen, schmücken sich mit bunten Blumen; aus kleinen Bäumen wachsen hünenhafte Riesen, das grüne Blatt am Ast gewinnt beträchtlich an Volumen. Die Wolken über uns: Vorüber fliegen sie beschwingt. Die Heidelerche mit dem Hänfling um die Wette singt; ... |
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63 | Ansprache einer traurigen Braut | |||
Vorschautext: Ich lese schrecklich gern Gedanken - ganz besonders deine, dein ungestümes Mienenspiel sagt mir, woran ich bei dir bin. Das ist der Grund, weshalb ich manchmal weine und längst vermute: Das mit uns hat keinen Sinn. Doch wenn du fort bist, fühl ich mich alleine, mir ist zumute dann, als regne es in alle Zimmer, als schleiche sich ums Haus ein eisig kalter Wind. Dann rede ich mir ein, ich liebte dich noch immer und dass wir mehr als nur ein Brautpaar sind. Du wolltest nicht mehr von mir lassen, obwohl ich dir beizeiten zu verstehen gab, dass wir nicht wirklich zueinander passen und dass ich jemanden in meinem Herzen hab, ... |
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62 | Heimatlos | |||
Vorschautext: Ich möchte lieber eine dieser Wurzellosen sein, die ihre Heimat unsichtbar im Herzen tragen. An vielen hängt die sogenannte Heimat wie ein Stein: Die Waage zeigt zwar Glück, doch schwerer wiegt das Unbehagen. Es kam nicht alles, wie du es erhofft: Der Weg, den du gegangen bist, zwang dir ein fremdes, ungewolltes Schicksal auf. Das Leben war ein Drahtseilakt für dich, ein schwierig Unterfangen, wie blind und taub schobst du die Steine aus dem Weg – ein Hürdenlauf. Die Zeit verging – nun bist du endlich, endlich angekommen: In deinem Herzen wohnt ein Friede, den du nie zuvor gekannt; ... |
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61 | Konfirmationen | |||
Vorschautext: Ich geh' nicht gern auf Konfirmationen, ein Kind, das gestern Kind war, ist auch heut' noch Kind. An diesem Tatbestand ändern auch nichts die Anemonen, die Nachbars Achim rot verlegen dir nach Hause bringt. Auch Essbestecke bringen keine unbedingte Reife und Pickel schwinden nicht durch Segen oder Deo-Seife. Man selber wird nicht 'mehr' von Sachen, die man plötzlich hat. Am Abend bist du von viel fetter Torte höchstens dumm und matt. Man trinkt und quasselt (meistens dummes Zeug) und tanzt sogar; am nächsten Tag bist du dasselbe 'kleine Mädchen' wie zuvor. ... |
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60 | Fietes Fisch | |||
Vorschautext: Fietes Fisch frisst Fiete: flitz Fisch flitz Fietes Fisch flitzt Fiete: lieb lieb Fiete siebt Gries Fiete filtert Fiete riecht Fiete: Fisch Fisch Fiete friert Fiete stiert ... |
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59 | Blumen für die Dame, mein Herr …? | |||
Vorschautext: Nachts, wenn alle Kinder schlafen, Mond und Sterne durch die blinden Kneipen- und Spelunkenfenster sehn, dann muss ich durch viele dunkle Gassen und in zwielichtige Häuser gehn. Tulpen, Veilchen, Sonnenblumen, Rosen auf so manchen Nischentischen stehn. Münder, Hände, Wangen sich liebkosen; dann komm ich hinzu, im Arm Mimosen, und ich bin den meisten Herren unbequem. ... |
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58 | Tausend rote, tausend gelbe ... | |||
Vorschautext: Versäumt, am 21. Jänner Tulpen zu pflücken? - Ach, wie schade! Jeder darf so viel Tulpen mit nach Hause nehmen, wie er will … Tulpen aus Amsterdam – eine farbenprächtige Tulip-Olympiade, von blassgelb über zartrosa; von hellblau über lila zu 'schrill'. Ein buntes Meer breitet sich aus vor dem Prinzenpalast: 200.000 Tulpen blühen – schöner als 1000 Regenbogen. Paar Stunden später schon sind alle Blumen abgegrast. - Holland-Tulpen im Jänner werden weder gezählt noch gewogen. Versäumt? - Na und, dann fahren wir eben in den Keukenhof rein: Der Park in Lisse hat noch bis Mitte Mai alle Pforten offen. ... |
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57 | Wattwurm im Venusjahr ... | |||
Vorschautext: Um wie viel friedlicher wäre das Leben, würden ins Tuch der Nacht nicht allein Mond und Sterne, sondern auch Gewaltlosigkeit gewebt, und hätte das Kleid des Tages Taschen, darin genügend Brot und Früchte Platz fänden für die Ärmsten dieser Welt. … wenn nimmer Vertrauen zerstört und nimmer abgerechnet würd Aug um Aug und Zahn um Zahn … und wenn es Schiffe gäbe, die unser Fernweh jederzeit von jedem Ufer aus in ferne Länder trügen, wo ich dich niemals gegen ... |
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