Profil von Annelie Kelch

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Registriert seit dem: 06.10.2016

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Hallo, liebe LyrikfreundInnen, ich lese am liebsten Lyrik; sie macht mich oft nachdenklicher als Romane; das schafft sie mit wenigen, prägnanten Sätzen! Allerdings lese ich auch gern Romane, einige zumindest; aber Lyrik ist meistens fantasievoller, die Sprache ist oft wunderschön und bringt es auf den Punkt. Am liebsten lese ich die Lyrik von Ingeborg Bachmann, Johannes Bobrowsky, Doris Runge, Sarah Kirsch, Günter Eich und Jan Wagner.

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Anzahl Gedichte: 156
Anzahl Kommentare: 17
Gedichte gelesen: 75.265 mal
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Titel
116 Hexenhaus
Vorschautext:
Eine Hütte im Wald: verlassen,
einsam und öd' -
tausend Sommer fuhr sie dran vorüber;
aber eines Tages, man mag es kaum fassen,
schob sie ihr Fahrrad an einen Baum
und drückte die Klinke nieder.

Ein Falter flog gegen das blinde Fenster,
wollt' gern in den Wald hinaus,
sie glaubte, sie sehe Gespenster:
eine Hex' saß am Herd und daneben
der borstige Waldschrat Stanislaus.
...
115 Die einen, die anderen
Vorschautext:
Winter segnet das Land mit eiskalten Tatzen,
Bäume und Sträucher haben das Schmatzen
eingestellt, Pläne zerplatzen,
Eis wartet aufs Kratzen,
Schneeflocken fallen, kleine Schmeichelkatzen.

Manch einer verschwendet Energie (und wie),
einige müssen erfrieren;
andere freuen sich aufs Fest, gieren
nach Weihnachtsharmonie.
114 Waldspaziergang
Vorschautext:
Waldspaziergang

Hab Acht, denn es könnte sein,
dass unter morschen Zweigen
ein gebrochenes Herz im
erschütterten Moos verwest.

Noch bist du leicht, verspielt,
eine Wolkenfeder über den Wipfeln
der Bäume, ahnst nicht, dass der stille
Nachtwind wahrhaftiger ist als das
Sommergeschwätz der Schwalben -
...
113 Am Wakenitzufer
Vorschautext:
Am Wakenitzufer

Nah beieinander
verträumt
gut aufgeräumt
kuscheln am Kai
auf den Wellen der Liebe:
„Greif“ und „Wiebe“
fürsorglich vertäut,
damit sie nicht twisten und rocken
müssen, wenn Herbst dräut,
der seine großen Stürme
...
112 Am Wakenitzufer I
Vorschautext:
Nicht etwa abgetrieben und neu
angedockt: mitnichten!

„Greif“ war nicht treu,
Liason mit Wiebe: aus und vorbei.

Jetzt kuschelt er mit „Hansine“ am Kai
passt weder 'ne Mandarine

noch das Ei,
das ich mir drauf pell,
zwischen Backbord und Backbord.
...
111 Im Prater blühn wieder die Bäume ...
Vorschautext:
Im Prater blühn wieder die Bäume ...

War ‘s Schicksal, Glück oder
am End’ doch nur ein Zufall,
dass sich der ritterliche „Alpenapollo“
in den Prater verirrte und
im Riesenrad das „Wiener
Nachtpfauenauge“ traf?

Jedenfalls gondelten beide
die halbe Nacht: kopfüber,
kopfunter, den Wolken
...
110 Nachtstück doloroso
Vorschautext:
Nachtstück doloroso

Dann waren sie fort, rüber zu Tante Falkenberg, acht Häuser weiter.
Morgen früh sind wir wieder daheim, hieß es zum Abschied.
... wenn Gott will, dachte er; das sang sie sonst immer, bevor er einschlief.

Er stand auf, tappte ans Fenster, sah hinab ins trübe Laternenlicht:
Unten lag die mausgraue Straße: ein ausgestorbener Saurier.

Abendwind strich durch die Linde vorm Haus. Er stieß das Fenster auf, sog den
Blütenduft ein, jauchzte über die schwankenden Schatten, die auf dem Sims
kamen und gingen. So tanzte sie nachts mit ihm von Zimmer zu Zimmer,
...
109 Roter Mohn
Vorschautext:
Akrostichon

R ot ist die Farbe der Liebe
O ft wird aus Liebe Hass
T räume platzen
E in Mann sieht Rot
R atlos stehen wir vor den Trümmern einer Liebe
M it dir gehe ich bis ans Ende der Welt
O hne dich bin ich verloren
H ab Vertrauen zu mir
N eben dir stehen, gehen, begraben sein
108 Drei Herbsthaiku
Vorschautext:
Leise fällt das Laub
Mein Herz begräbt den Sommer
der im Nebel starb

Die Blätter fallen
namenlos wie der Sommer
welkt das Gras im Sturm

Ihr Kastanien –
glatt und rund in meiner Hand:
Mahagoniherbst
107 Hamburg
Vorschautext:
Hamburg


Mit Schiffen mannigfach und unter breiten Brücken
fließt größtenteils beruhigt der graue Strom.
Viel Regen macht viel Dächer nass
und der Verkehr rauscht ohne Unterlass
zum Hafen und zum Dom.

Das hält kein Schirm aus, keine lackversiegelte Frisur,
wenn von der Nordsee her der Blanke Hans das Pflaster kehrt.
Die sturmerprobte Möwe nur
...
106 Herbstweg
Vorschautext:
Herbstweg

Durch den Herbst:
Weg, der Sehnsüchte weckt
nach kälteren Tagen;
nach Lebkuchen,
Marzipan,
Spekulatiustee,
Schnee,
Weihnachtsmarktbuden;
nach Lichtern auf
festlich geschmückten Zweigen
...
105 Meine Muse
Vorschautext:
Meine Muse

(für Heinrich Böll)

Meine Muse ist der barmherzige Traum,
darin der Himmel auf Erden gelebt wird.
Meine Muse ist das erträgliche Leben
nach dem Erwachen aus einem bösen Traum.

Meine Muse ist tot: der Dichter aus Portland,
der die Nacht herbeiflehte,
zu dem die Bäume sprachen;
...
104 Die einen, die anderen
Vorschautext:
Die einen, die anderen

Winter segnet das Land mit eiskalten Tatzen,
Bäume und Sträucher haben das Schmatzen
eingestellt, Pläne zerplatzen,
Eis wartet aufs Kratzen,
Schneeflocken fallen, kleine Schmeichelkatzen.

Manch einer verschwendet Energie (und wie),
einige müssen erfrieren;
andere freuen sich aufs Fest, gieren
nach Weihnachtsharmonie.
103 Limerick
Vorschautext:
Begegnet das Rebhuhn Twen Rabe,
ruft es: Rep, rep! Moin, der Knabe.
Denkt das Huhn: Junger Spund,
kaum aus dem Nestverbund
und schon kess wie 'ne Küchenschabe.
102 Limerick
Vorschautext:
Ein Bienenfresser aus Nyda
war stolz auf sein buntes Gefieder,
er flog ins Café und nippte
am Tee vor den Spiegeln
am Tisch bei Frieda.
101 Geh aus, mein Herz
Vorschautext:
Geh aus, mein Herz

Geh aus, mein Herz und suche Freud,
und wenn du ihn gefunden hast,
dann grüße nett von mir
und frage ihn: Professorchen,
wie geht 's denn heut'?

Und ob er schon ein Mittel wüsst
gegen die AfD, Pegidianer, Reichsbürger
und anderen Mist

...
100 Wo wohnt der liebe Gott? n. W. Borcherts Kinderlied
Vorschautext:
Wo wohnt der liebe Gott ...?

Wo wohnt der liebe Gott?
Im Baumhaus, im Baumhaus!
Was macht er da?
Er bringt den Vöglein 's Singen bei
und fängt für sie 'ne Blattlaus.

Wo wohnt der liebe Gott?
Im Storchennest, im Storchennest!
Was macht er da?
Er bringt den Störchen 's Klappern bei
...
99 Überdrüssig
Vorschautext:
Überdrüssig

Gewitterwolke,
ließ sich nieder
am Ende einer
Einbahnstraße,

wollte nicht länger wolken
noch wittern noch flitzen,
hatte die Nase gestrichen
voll von Donner und Blitzen!
98 Bambi
Vorschautext:
Bambi

Maikitz mit den weißen Sommersprossen
treib es nicht zu arg mit deinen Possen;

Mutter liegt ganz nah versteckt im Hain:
Das ist gut, dann bist du nicht allein,

wenn Adler, Fuchs und Bär
und der Lump mit dem Gewehr
dich zur Strecke bringen wollen.

...
97 Schicksal
Vorschautext:
Schicksal

Wand aus türkisblauer Seide
Meer das nicht fließen darf.
Sie webt Fische Seesterne
Wellen hinein
setzt sich davor – wartet …
auf Ebbe und Flut
seine Wiederkehr:

Er
seit acht Jahren
...
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