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Gedichte über Melancholie - Seite 37


Seelen zu Heiligabend

Als im Winter 1965 im Spital zwei Körper verblichen,
ihre Seelen sofort Richtung Himmel entwichen.
Zwei Jahre hatten sie nebeneinander gelegen,
und stets gehofft auf heilenden Segen.
Nun war alle Hoffnung vorbei
und beide fühlten sich vogelfrei.

Das Weltall veränderte sich in den Jahren sehr,
und so gab es dort viel Flugverkehr.
Sie griffen sich jeder einen Satelliten
und sind damit wie die Engel geritten.
Da diese Blechbüchsen nicht still rauschen,
konnten sie an vielen Kanälen lauschen.

TV-Sender, auch wenn sie in Farbe schon,
boten ihnen nur den Stereo-Ton.
Das reichte für Musik und Nachrichten nebenbei
und auch für Gottesdienst und Wahrsagerei.
Dabei sprachen die Radio-Stationen der Welt
warnend von manchem Spannungsfeld.

Trotz des geheimen digitalen Rauschen
konnten sie die Militärs belauschen.
Wenn man die richtigen Responder wählte,
gab es Kanäle auf denen man zählte,
one, two, three bis sexty four ganz hart,
oder ras, twa, tri bis schestch tschetierje …….Start.

Dazwischen in asiatischen Zeichensprachen
starteten unbekannte feuerspeiende Drachen.
Die Seelen hatten sich schon gespalten,
denn zu welcher Sprache sollten sie halten?
Nach erfolglosem deutsch-sächsischem Fluchen
wollten sie sich schon eine andere Erde suchen.

Da erklang aus dem Weltall statt militärischem Tra-ra
das Weihnachtslied Jingle Bells auf der Mundharmonika.
Selbst den ältesten und stärksten Raumfahrt-Recken
blieb der Weihnachtsbraten im Halse stecken.
Mancher hat freudig erschreckt gezuckt
und sich an Wodka oder Whisky verschluckt.

Doch alle stimmten der Melodie zu,
an Heiligabend hat die liebe Seele Ruh.

24.12.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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So gefreut auf den Weihnachtsmarkt

So gefreut auf den Weihnachtsmarkt,
durch die schmalen Gassen, an Leut'
und den Ständen vorbei gehuscht.

Es riecht nach Marzipan, Lebkuchen,
Waffeln und selbstgebackenem Allerlei,
schöner kann es nicht sein.

Und in der Mitte ein kleiner Stand
mit allerlei Lakritzsorten,
mit Gewürzen, gezuckert und diversen Aromen.

Eine Lakritzstange wäre schön,
süß, sauer und mit viel Salz.
Nur eine bitte auf die Hand.

Doch Gefahr ist im Verzug,
denn der Verkäufer könne nicht
das schwarze Gold mir in die Hände drücken.

Die arme süße schwarze Stange?
Es könn'e sein, dass das Amt für Ordnung
sorge und rechts und links am Stande ihn observiere.

Ist es die da rechts oder der da links?
Das könne er nicht sagen,
da er sonst die Lizenz verliere.

Drum suche er unter der Theke
eine kleine Tüte, oh schreck, die sind weg.
Nur noch XXL, zu groß für diese kleine Stange.

Es würden hundert und mehr hinein passen,
aber es ist leider nur eine, die Kleine.
Das Süße, schick, gewickelt in Plastik!

Gut für die Umwelt, und heimlich in die Jackentasche.
Ohne darüber nach zu denken!
Bei Gelegenheit jetzt eine Stärkung im Säckel.

Schon nach weniger als fünfzehn Minuten
spüre ich einen leichten Hunger.
Hab' ja etwas in der Wundertüte.

Werde nicht müde es heraus zu kramen,
oh nein, das Schwarze jetzt im Plastik klebt.
Jetz wird gepittelt und gekratzt.

Für Verbote und Richtlinien,
für Recht und Ordnung,
für's Amt und natürlich vor dem Gesetz.

Einfach auf die Hand,
es wär' so einfach gewesen.

12.12.2019 (Blake Lancaster)


Copyright © Blake Lancaster 2019
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