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Gedichte über das Naturreich - Seite 321


Was geschah am 5.10.1582 in Rom

Die Zeiten vergehen, wir wenden den Blick
mal reichlich um vierhundert Jahre zurück.
Da gab es ein ganz sonderbares Kapitel,
den Zeitpunkt, den findet ihr oben im Titel.

Und so etwas werden wir niemals erfahren,
das gab es nur einmal in zweitausend Jahren.
Am Morgen des Tags ging die Sonne nicht auf,
und nahm deshalb nicht den normalen Verlauf.

Drum braucht' sie auch abends nicht unterzugehn.
Das Wetter, das war weder trübe noch schön.
Es wurd nichts getrunken, es wurd nichts gegessen,
nicht einmal der Reichste bekam was zu essen!

's gab keine Gefühle und auch keine Triebe,
es gab keinen Hass und es gab keine Liebe.
Es dachte auch keiner an Stehlen und Morden,
obwohl er wär garnicht erwischt dabei worden.

Auch Arbeiten gabs nicht, 's war keiner so dumm,
und machte auch nur einen Finger mal krumm.
Wer abends am 4. zu Bett ist gegangen,
lag oben und schlief, teils in Träumen gefangen.

Am 15. schließlich hat er sich dort oben
gedehnt und gestreckt, und dann endlich erhoben.
Und das war'n nicht etwa nur Einzelpersonen,
die sich so verhielten, das waren Millionen!

Dann gab es auch viele von all diesen Braven,
die hab'n in der Zeit überhaupt nicht geschlafen.
Und einige sind da auch tüchtig versunken,
vom 4. bis 15. sinnlos betrunken!

Und manche, die hat auch die Geilheit gepackt,
die ganze Zeit über ein einziger Akt!
Das Ganze geschah in 4 Ländern der Welt,
die man zu den strengsten katholischen zählt:

in Polen und Spanien und Portugal, klar,
und das, was nicht weit weg vom Petersdom war.
Italien als Ganzes, war ja in der Tat
zu der Zeit noch lang kein vereinigter Staat.

Und habt ihr bis hierher gelesen geduldig,
da bin ich euch wohl eine Aufklärung schuldig.
Manch einer von euch, ob in Ost oder Westen,
der glaubt doch schon lange, ich halt ihn zum Besten.

Doch haben sich scheinbar die Balken gebogen,
ihr könnt es mir glauben: Ich hab nicht gelogen!
Was ist nun die Quintessenz meines Gedichts?
Fragt ihr: "Was geschah denn nun?" Sag' ich: "Fast nichts!"

Zwei Tage, die sonst sich noch niemals berührten:
der 15. folgte sogleich auf den 4.,
und daraus, ihr Lieben, folgt zwingend nun eben:
Die Tage dazwischen hat's gar nicht gegeben!

Weil mancher jetzt denkt, na das ist mir zu dumm!:
Es war wirklich so, und ich sag euch, warum?:
Der alte Kalender, der stimmte nicht mehr,
er stammte noch vom Cäsar Julius her.

Die Unstimmigkeit war pro Jahr bloß 'ne Spur,
doch längst war es Zeit für die Grund-Korrektur.
Das Datum war zu uns'rer Sonne da oben,
inzwischen um ganze 10 Tage verschoben.

Und um nun die Sache beim Schopfe zu fassen,
da hat man 10 Tage glatt ausfallen lassen!
Und, dass das nicht wieder passiert mit den Jahren,
da muss man noch - selten - 'nen Schalttag sich sparen.

Wen's mehr int'ressiert, bitte hier nicht zu meutern,
ich werde das unten genauer erläutern!



Anmerkungen von Heinz Säring zum Gedicht:


Den 5. bis 14. Oktober 1582 hat es in Rom, in Polen, Spanien und Portugal überhaupt nicht gegeben!

Die Ursache war die Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen
Kalender. (So benannt nach Papst Gregor XIII). Im Julianischen Kalender (seit 46 v.Chr.) wurde genau alle 4 Jahre ein
Schalttag eingefügt, der bekannte 29. Februar. Das Jahr hatte also im Durchschnitt
genau 365,25 Tage.
Da aber das natürliche "tropische Jahr" *) in Wirklichkeit 0,0078 Tage kürzer ist,
hatte sich u.a. der Frühlingsanfang und das Osterfest immer weiter zurück verschoben.
Der Fehler betrug 1582 bereits 10 Tage, was durch die Einführung des Gregorianischen Kalenders korrigiert
wurde. Man ließ unmittelbar auf den 4.10. den 15.10.1582 folgen und das
vierjährliche Schaltjahr entfällt seitdem, wenn eine volle Jahrhundertzahl nicht durch
400 teilbar ist (z.B. 1900 und 2100).
In anderen Ländern, als den oben genannten, wurde der Gregorianische Kalender zu verschiedenen späteren Zeitpunkten
ebenfalls eingeführt. Er gilt heute im weitaus größten Teil der Welt

*) die Zeit zwischen zwei Durchgängen der Sonne durch den mittleren Frühlingspunkt.
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Regentanz

Draußen ist es dunkel,
Wolken verdecken die warme Frühlingssonne.
Erste Tropfen bahnen sich
ihren kurzen Weg in die Freiheit
und legen nur wenige hundert Meter
von den Wolken abwärts zurück,
bevor sie auf den Erdboden fallen
und mit ungeheurer Kraft zerplatzen.
Der Seelenregen hat begonnen
und scheint die Erde mit frischer Feuchtigkeit
zu versorgen.
Alles lebt auf, benetzt meinen Atem,
ich atme ein, atme aus, ich atme auf,
sauge die frische, feuchte Luft in meine Lungen.
Ich denke noch, wie schön es wäre,
jetzt nackt im warmen Regen zu stehen
und eine natürliche Dusche zu nehmen,
dann schließe ich die Augen,
lasse mich vom rhythmischen Trommeln
der Regentropfen davon tragen.
Der Regen regnet,
Trommeln trommeln Trommelklänge,
ich schwebe davon.
Marienkäfer tanzen Regentänze,
beschwören friedvoll den Gott des Wassers.
Dunstwolken verdampfen im Jenseits.
Ameisen feiern die Wasserspenden des Himmels.
Blumen schwenken ihre Köpfe im Takt.
Alles bebt vor Freude.
Erdlöcher erden sich.
Seen sehen in die Zukunft,
der Himmel ist Wasser – blau,
Zeremonien zermürben den Gott der Trockenheit,
auch Dürren dauern nicht ewig.
Regenwürmer formen sich zu Regenbögen
und nehmen alle Farben an.
Die Welt ist bunt, schwarz-weiß hat ausgedient.
Regenbögen geben ihre Krümmung auf
und wandern durch den Himmel
wie Regenwürmer durch die Erde.
Oben und Unten sind aufgehoben,
genauso wie Links und Rechts,
Westen und Osten.
Tulpen und andere Blumen füllen ihre Kelche
mit dem kostbaren Nass,
tanken das pure Leben.
Die Sonne schickt einige Strahlen durch die Wolken,
und sorgt für neue Regenbögen.
Regenwürmer freuen sich über ihre
farbigen Verwandten am Himmel
und reihen sich in die Tänze
der Marienkäfer ein.
Die Sonne lacht und ihr breites Grinsen
verbreitet gute Stimmung.
Allmählich verziehen sich die Wolken,
der Himmel klart auf,
ich tanze nicht mehr nackt im Regen,
lasse meinen schönen Körper
von der Sonne trocknen,
und auch die Marienkäfer und Regenwürmer
haben ihre Rituale beendet.
Die Erde dampft,
Nebelschwaden nebeln die Erde ein.
Vulkanlandschaften erinnern an den Mond.
Kleine Krater dampfen, was das Zeug hält.
Kröten und andere Kriechtiere
kreuzen die Wege von Kreuzottern.
Unken unken allen Unkenrufen zum Trotz
trotzdem herum.
„Was macht’s?“ denke ich, die Sonne lacht
und ich bebe, bebe vor Glück…
und freue mich schon jetzt
auf den nächsten Regentanz,
eine Zeit, in der das Leben auf der Erde
neues Leben gebärt…


ls02052009
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