Selbstinszenierung als Opfer

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
- Fiktion -
-1-
Selbstinszenierung als Opfer
Er ist in eine Abwärtsspirale geraten,
die ihn immer tiefer hinabzieht,
mitten hinein in den seelischen Sumpf,
wo er - innerlich blockiert feststeckt,
und den Geistern der Vergangenheit,
die Jagd auf ihn machen, ausgeliefert ist.
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Todesangst bemächtigt sich seiner,
schlägt ihre Klauen tief in seine Seele,
wie von Furien gehetzt sucht er das Weite
und dreht sich dabei doch nur im Kreis -
er kann sich nicht selbst entkommen,
schreit sich die Seele aus dem Leib.
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Verzweifelt irrt er in der Nacht umher,
die innere Unruhe raubt ihm den Schlaf,
unentwegt stößt er Verwünschungen aus
und steigert sich in eine Wut hinein,
schimpft haltlos über Gott und die Welt,
schaurig klingt sein Heulen und Wehklagen.
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Unbeherrschbare Tobsuchtsanfälle
bringen ihn schier um den Verstand,
er rastet aus, gebärdet sich wie wild,
gibt animalische Schreie von sich
die heisere Stimme überschlägt sich,
wie von Sinnen greift er zum Messer
und rammt es sich in seine Brust.

Informationen zum Gedicht: Selbstinszenierung als Opfer

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02.04.2025
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.
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